Das sagenumwobene TAO

TAO TE KING, Kapitel 32
Tao ist ewig und hat keinen Namen.
Obwohl es von Natur unscheinbar klein ist, wagt die ganze Welt nicht, es zu unterwerfen. Wenn Prinzen und Könige es handhaben könnten, würden die zehntausend Dinge und Wesen sich ihnen unterwerfen.
Himmel und Erde würden sich vereinigen und süssen Tau herabfallen lassen, und das Volk würde ohne Befehle von selbst zur Harmonie gelangen.

Von dem Augenblick an, da Tao verteilt war, erhielt es seinen Namen.
Diesen einmal bestimmten Namen muss man einzuhalten wissen.
Wer einzuhalten weiss, gerät in keine Gefahr.
Tao ist im Weltall verbreitet.
Alles kehrt zu Tao zurück wie die Bergflüsse zu den Strömen und Meeren.

In den letzten ca. 2500 Jahren, seit dem Verfassen dieser Zeilen, gab es wohl keinen einzigen Moment auf dieser Erde ohne Streit oder Krieg.

Im Kapitel 32 wird allerdings postuliert, wenn die Herrschenden Tao handhaben könnten, käme das Volk ohne Befehle von selbst zur Harmonie.

In der aktuellen Zeit scheint das undenkbar zu sein und das ist es vermutlich auch.
Was ist das sagenumwobene TAO?
Benennen kann oder soll man es nicht. Doch wenn es die Herrschenden handhaben könnten und so das Volk zur Harmonie gelangt, wie sieht es denn mit dem einzelnen Menschen aus? Würde das auch funktionieren? Kann ein Mensch, der Tao handhaben kann, zu Frieden und Harmonie gelangen? Vielleicht nur ein einziger?

Wie kann Tao gehandhabt werden?

Es ist durchaus möglich, kurze Phasen der Klarsicht zu erleben, Momente, in denen alles klar gesehen wird, der ganze Lauf des Lebens, die Tragik und das Glück und auch deren komplette, scheinbare Sinnlosigkeit.

Doch um diese klare Sicht, eine überparteiische Sicht auf das Labyrinth der Welt, in der wir leben, zu erhalten, ist ein Prozess nötig. Es reicht nicht, sich einer Vereinigung anzuschliessen oder in eine Religion einzutreten und brav alles zu befolgen, was dazu scheinbar notwendig ist.  Es geht darum, einen Prozess der kompletten Bewusstseinsumkehr zu beginnen. Am Ende dieses «Prozesses» oder «Pfades», der nirgendwo anders hinführt als zur Bewusstwerdung des Tao, das viele Namen hat (eben weil es nicht benannt werden kann), können sich das so gereinigte Herz und Haupt mit dem Geist verbinden.
«Tao» kann nicht mit dem Verstand unterworfen werden … es kann sich nicht der Selbstbehauptung, dem Ego und dem Willen unterordnen, sondern genau das Gegenteil wird der Fall sein. Das, was geistig geschaut wird, das «unbewegliche Sein», «Tao», wird dann durch den «Faden der Ariadne» mit dem Willensbewusstsein verbunden und kann so den betreffenden Menschen durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens führen.

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