Der Friede jenseits der Polarität

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heissen: Wenn wir uns auf diese Seligpreisung aus dem Matthäus-Evangelium besinnen, müssen wir uns von allen gewohnten Gedankenformen lösen. Denn beim Vernehmen des Wortes «Frieden», verbinden sich unsere Gedanken mit den Ansichten von Frieden und Friedfertigkeit, wie man sie im Alltag kennt, liebt und anstrebt. Sind Frieden und Friedfertigkeit nicht äußerst begehrenswerte Dinge in einer Weltnot wie der unseren? Halten wir nicht Ausschau nach einem dauerhaften Frieden? Und wäre ein solcher Friede und seine Folgen nicht in vielerlei Hinsicht ein Zustand der Seligkeit für alle? Glühen nicht in all unseren Herzen Gebete für die Beendigung der allgegenwärtigen und stets drohenden Gewalt? "O Gott, schenke uns Frieden!"

Welch eine Seligkeit wäre das!

Mitten in der Bedrohung durch einen dritten Weltenbrand ist uns diese Seligpreisung sehr nahe.

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heissen.

Ja, natürlich! Wenn wir ein Bibelwort verstehen, dann ist es sicher dieses.

Diese Sicherheit müssen wir uns jedoch nehmen, denn diese Seligpreisung liegt nicht auf der horizontalen Ebene. Diese Seligpreisung zeugt von einem Frieden, den wir noch nicht kennen, den wir noch nicht besitzen und den wir auch nicht erfassen könnten, wenn in unserer Welt normalere Verhältnisse einziehen würden, es sei denn, wir würden einen langen Weg gehen.

Der Friede, um den es hier geht, ist nicht dialektisch, d.h. er verkehrt sich nicht über kurz oder lang in sein Gegenteil; wer ihn besitzt, wird ihn nie mehr verlieren und niemals brechen. Gemeint ist der Friede Gottes! Gemeint ist das, was Paulus mit den Worten sagt: "Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus."

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Der Friede, der bei Gott ist, ist absolute Harmonie, ewige Schönheit, dynamische Ruhe. Dieser Friede ist der Zustand des Gleichgewichts zwischen der göttlichen Idee und dem Menschen, der aus und nach dieser Idee lebt. Es gibt keinen Widerstand mehr, denn das Kind Gottes, das an der Hand Gottes, an der Hand der Idee sein Bauwerk erstellt, erfährt in dieser Harmonie der Werte, Kräfte und Gedanken, dass alles mitwirkt zum Guten.

 

(Aus dem Buch «Die Mysterien der Seligpreisungen» von Jan van Rijckenborgh, mit kleinen Anpassungen)

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